Warum ich aufgehört habe, jedes neue KI-Tool zu testen

Ausgerechnet ich. Auf diesem Blog gibt es eine ganze Kategorie voller Tool-Tests, und jetzt kommt dieser Titel. Aber er ist ernst gemeint: Ich habe irgendwann aufgehört, mich durch jedes neue KI-Tool zu testen. Für meine tägliche Arbeit war das eine der besten Entscheidungen überhaupt und die Begründung steckt in zwei Tools, mit denen ich nie warm geworden bin.

Geständnis 1: Gemini, nichts dagegen, nichts dafür

Zu Gemini kann ich wenig sagen. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es in meinem Alltag schlicht nie eine Lücke gab, die es hätte füllen müssen. Und genau das ist der Punkt.

Irgendwann habe ich festgestellt: Die großen KI-Modelle sind in der Pro-Version im Grunde alle ziemlich gut. Für die Standardaufgaben wie Texte, Zusammenfassungen, Strukturen nehmen die sich wenig. Erst bei fortgeschrittener Nutzung trennt sich die Spreu vom Weizen. Und dann entscheidet nicht das Ranking irgendeines Vergleichsportals, sondern eine viel banalere Frage: In welchem Umfeld bewegst du dich?

Im Microsoft-Universum ist Copilot echt stark. Warum, habe ich ausführlich getestet. Wenn ich das nicht nutzen muss oder will, bin ich als Nächstes bei Claude. Und wer als Unternehmer in der Google-Welt arbeitet, My Business, Workspace und Co., für den ist Gemini sicher eine sehr gute Wahl. Dazu kommt ein Thema, das im Tool-Hype gern untergeht: Datenschutz. Auch da musst du dich mit dem Modell deiner Wahl näher auseinandersetzen, statt einfach dem lautesten Launch zu folgen.

Das Umfeld entscheidet. Nicht der Benchmark.

Geständnis 2: Notion, SimCity für Erwachsene

Beim zweiten Tool wird es persönlicher. Ich habe mich wirklich bemüht, mit Notion warm zu werden. Aber die Oberfläche und das ganze Gefiddel waren mir am Ende einfach zu anstrengend.

Verstehe mich nicht falsch: Wer Spaß daran hat, sich alles selbst aufzubauen, Datenbanken, Formulare, verschachtelte Strukturen, der ist dort gut bedient, und die KI-Funktionen darunter sind inzwischen ernstzunehmend: Meeting-Transkription, Suche über angebundene Tools, eigene Agenten. Auf dem Papier kann Notion AI heute eine Menge.

Aber ich suche Tools, die mich in meiner Arbeit unterstützen. Ich habe keine Zeit und keine Lust, meinen Arbeitstag damit zu verbringen, fancy Projektstrukturen zusammenzufummeln wie mit 16 eine Stadt in SimCity 3000. Ein Tool, das von mir verlangt, erst eine Welt zu bauen, bevor es mir hilft, beantwortet die falsche Frage. Die Frage ist nicht „Was könnte ich mir alles bauen?“. Die Frage ist „Was nimmt mir heute Arbeit ab?“.

Die Logik dahinter in drei Schritten

Aus diesen beiden Nicht-Geschichten ist meine Tool-Strategie geworden, und sie passt auf einen Bierdeckel:

  1. Schau auf dein Umfeld, nicht auf den Markt. Microsoft-Welt? Copilot. Google-Welt? Gemini. Keine Bindung? Dann nach Stärken wählen. Bei mir wurde es Claude.
  2. Ein Hauptmodell, richtig gelernt. In der Pro-Version, mit deinen echten Aufgaben, über Monate. Die Tiefe schlägt jede Tool-Sammlung. Dieselbe Logik wie bei meiner Solopreneure-Liste: lieber eine Maschine beherrschen als drei in der Garage stehen haben.
  3. Spezialisten nur bei echtem, wiederkehrendem Bedarf. NotebookLM für eigene Dokumente, Napkin für Grafiken. Werkzeuge, die einen klaren Job haben. Kein Abo auf Vorrat.

Jedes neue Tool kostet dich nämlich nicht nur das Abo. Es kostet Einarbeitung, Kontextwechsel und die ständige leise Frage, ob das andere Tool es nicht besser gekonnt hätte. Das ist der versteckte Preis des Testens und er ist höher als jede Monatsgebühr.

Was das für dich heißt

Wenn du diesen Artikel liest, um herauszufinden, welches KI-Tool du brauchst: Du brauchst keinen weiteren Vergleichsartikel. Du brauchst einen Blick auf deinen eigenen Schreibtisch. Welche Systeme nutzt dein Unternehmen? Wo liegen deine Dokumente? Was machst du jede Woche dreimal?

Die Antworten darauf wählen dein Tool, zuverlässiger als jeder Test. Auch als meine.

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