Es gibt Tools, die verändern nicht nur die Art, wie wir arbeiten. Sie verändern die Art, wie wir über Arbeit nachdenken. Für mich gehört ChatGPT in diese Kategorie.
Nicht weil es perfekt ist. Nicht weil es immer die richtige Antwort liefert. Sondern weil es für viele Menschen der erste echte Berührungspunkt mit Künstlicher Intelligenz ist. So war es auch bei mir.
Wenn mich heute jemand fragt, mit welchem KI Tool er anfangen soll, lautet meine Antwort fast immer: ChatGPT. Nicht weil es das beste Tool für jede Aufgabe ist. Sondern weil es das zugänglichste ist.
Du öffnest die Anwendung, stellst eine Frage und bekommst eine Antwort. Kein kompliziertes Setup. Keine technische Einarbeitung. Kein stundenlanges Lernen. Genau deshalb ist ChatGPT für viele Menschen der perfekte Einstieg.
Mein erster Eindruck: Beeindruckend und gleichzeitig gefährlich
Als ich angefangen habe, mit ChatGPT zu arbeiten, war ich fasziniert. Plötzlich konnte ich Fragen stellen, Ideen diskutieren, Texte überarbeiten lassen oder komplexe Themen verständlich erklärt bekommen.
Viele Aufgaben, die vorher Zeit gekostet haben, gingen deutlich schneller. Gleichzeitig habe ich relativ früh gemerkt, dass genau darin auch die Gefahr liegt. ChatGPT formuliert überzeugend. Sehr überzeugend. Manchmal sogar dann, wenn die Antwort falsch ist.
Wer neu in das Thema einsteigt, neigt deshalb schnell dazu, die Antworten als Wahrheit zu akzeptieren. Genau das sollte man nicht tun. ChatGPT ist kein Experte. Es ist ein Werkzeug. Ein sehr gutes Werkzeug. Aber eben nur ein Werkzeug.
Wo ChatGPT für mich wirklich glänzt
Im privaten Alltag nutze ich ChatGPT heute häufiger als im beruflichen Kontext. Nicht, weil es dort leistungsfähiger wäre. Sondern weil viele typische Alltagsthemen nicht die datenschutzrechtlichen Probleme mit sich bringen, die es meine Arbeit eben tut.
Besonders hilfreich finde ich ChatGPT bei der Planung und Strukturierung.
Zum Beispiel bei:
- Raumgestaltung und Einrichtungsideen
- Ernährungsplänen und Rezeptideen
- Finanzplanung und Budgetübersichten
- Steuerlichen Grundsatzfragen
- Reiseplanung
- Brainstorming für private Projekte
Gerade bei Themen wie Raumgestaltung überrascht mich das Tool immer wieder positiv. Du beschreibst einen Raum, lädst ein Foto hoch und bekommst konkrete Ideen, auf die du selbst vielleicht nicht gekommen wärst. Inklusive Skizze und auf Wunsch auch konkrete Teile aus deinem Lieblingsmöbelhaus
Auch bei der Finanzplanung liefert ChatGPT oft interessante Denkanstöße. Es ersetzt keinen Steuerberater und keinen Finanzexperten. Aber es hilft dabei, Zusammenhänge zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen.
Genau darin liegt für mich eine der größten Stärken des Tools. Es macht komplexe Themen zugänglicher.
Wo ich ChatGPT beruflich nutze
Beruflich nutze ich ChatGPT vor allem für kreative und konzeptionelle Aufgaben.
Dazu gehören beispielsweise:
- Workshop Strukturen entwickeln
- Präsentationen vorbereiten
- Blogartikel strukturieren
- Ideen sammeln
- Brainstormings durchführen
- Prozesse hinterfragen
Gerade bei der Entwicklung neuer Inhalte ist ChatGPT ein guter Sparringspartner. Nicht weil die erste Antwort perfekt wäre. Sondern weil sie häufig ausreicht, um ins Denken zu kommen. Oft entsteht der eigentliche Mehrwert erst im Dialog.
Wo ich ChatGPT bewusst nicht nutze
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wo ich ChatGPT nicht einsetze. Im Kanzleiumfeld ist das relativ eindeutig. Mandantendaten, vertrauliche Informationen, Verträge oder sensible Unternehmensdaten haben in einem öffentlichen KI System nichts verloren. Das ist keine technische Frage. Das ist eine Frage von Datenschutz, Vertraulichkeit und Verantwortung.
Deshalb nutze ich ChatGPT weder für Kundenmails noch für Vertragsprüfungen oder sensible Dokumente. Und ehrlich gesagt halte ich das auch für eine der häufigsten Fehlanwendungen.
Viele Menschen sehen die Möglichkeiten und vergessen die Risiken. Dabei ist nicht das Tool das Problem. Das Problem entsteht durch den falschen Einsatz.
Der größte Schwachpunkt: ChatGPT widerspricht zu selten
Wenn mich heute jemand nach dem größten Nachteil fragt, muss ich nicht lange überlegen. ChatGPT ist häufig zu gefällig. Es möchte hilfreich sein. Das führt dazu, dass es oft zustimmt, selbst dann, wenn Widerspruch sinnvoll wäre. Wenn ich eine Idee präsentiere, bekomme ich häufig zunächst Bestätigung.
Wenn ich dieselbe Idee anders formuliere, bekomme ich oft wieder Zustimmung. Für einfache Aufgaben spielt das keine große Rolle. Für strategische Entscheidungen dagegen schon. Denn dort brauche ich keinen Ja-Sager. Dort brauche ich einen Sparringspartner. Jemanden oder etwas, das Denkfehler erkennt, Annahmen hinterfragt und auch einmal sagt: „Das ist keine gute Idee.“
Genau deshalb nutze ich für bestimmte Aufgaben inzwischen andere Werkzeuge zusätzlich.
Was ChatGPT kann und was nicht
Wenn ich ChatGPT heute in einem Satz beschreiben müsste, würde ich sagen:
ChatGPT ist ein hervorragender Generalist. Für viele Aufgaben gut. Für manche Aufgaben sogar sehr gut. Aber selten die beste Lösung.
Für Strukturierung, Formulierungen, Brainstorming und den Einstieg in neue Themen gehört es für mich weiterhin zu den besten Werkzeugen auf dem Markt. Für Faktenrecherche greife ich dagegen deutlich häufiger auf Perplexity zurück. Warum das so ist und wo die Unterschiede liegen, zeige ich in meinem ausführlichen Beitrag zu Perplexity. Bei strategischen Entscheidungen verlasse ich mich ebenfalls nicht allein auf ChatGPT. Dafür ist das Modell zu harmoniesüchtig und zu wenig kritisch.
Mein Fazit
Wenn du bisher noch keine Erfahrung mit KI gesammelt hast, würde ich heute wieder mit ChatGPT anfangen. Nicht weil es perfekt ist oder weil es keine Fehler macht. Sondern weil kaum ein anderes Tool den Einstieg so einfach macht.
ChatGPT hilft dabei, die eigenen Möglichkeiten zu entdecken. Es zeigt, wo KI Arbeit erleichtern kann und wo sie Zeit spart. Genau deshalb hat es seinen Platz auf meinem digitalen Werkzeugkasten bis heute nicht verloren.
Wer allerdings glaubt, mit ChatGPT sei die Reise bereits zu Ende, macht denselben Fehler wie viele Unternehmen bei ihrer ersten KI Initiative.
ChatGPT ist nicht das Ziel. Es ist der Startpunkt.


