Claude Sonnet im Test: Warum ich dabei geblieben bin. Und warum das keine einfache Antwort ist.

ChatGPT war mein Einstieg in die KI Welt. Claude ist der Grund, warum ich geblieben bin.

Das klingt wie eine steile These. Vielleicht ist es das auch. Aber wenn ich heute auf die letzten Monate zurückblicke, beschreibt dieser Satz ziemlich genau meine Entwicklung.

Ich habe wie die meisten Menschen mit ChatGPT angefangen. Fragen gestellt, Texte überarbeiten lassen, Ideen gesammelt und erste Automatisierungen ausprobiert. Es war beeindruckend. Es war einfach. Und vor allem war es der erste Moment, in dem ich verstanden habe, dass KI mehr sein kann als ein nettes Spielzeug.

Trotzdem begann mich irgendwann etwas zu stören. Ich stellte eine These auf und bekam Zustimmung. Ich präsentierte einen Plan und bekam Zustimmung. Ich zeigte einen Text mit Schwächen und bekam trotzdem Zustimmung. Natürlich nicht immer. Aber häufig genug, dass mir etwas fehlte. Ich brauche keinen digitalen Fanclub.

Ich brauche einen Sparringspartner. Jemanden, der mir sagt, wenn ich einen Denkfehler mache. Jemanden, der Lücken erkennt. Jemanden, der nicht antwortet, was ich hören möchte, sondern was ich wissen muss.

Genau deshalb habe ich begonnen, mit Claude zu arbeiten.

Je länger ich mit beiden Modellen gearbeitet habe, desto weniger sinnvoll erschien mir die Frage, welches von beiden besser ist. Beide Systeme sind heute beeindruckend leistungsfähig. Beide können schreiben, analysieren, strukturieren und Probleme lösen. Der eigentliche Unterschied liegt für mich längst nicht mehr in der Intelligenz der Modelle, sondern in der Art der Zusammenarbeit.

ChatGPT fühlt sich für mich häufig wie ein sehr guter Assistent an. Claude dagegen eher wie ein Kollege, mit dem ich gemeinsam an einem Problem arbeite. Deshalb halte ich die Frage „Claude oder ChatGPT?“ für wenig hilfreich. Die interessantere Frage lautet: Wie möchtest du mit KI arbeiten? Denn genau davon hängt ab, welches Werkzeug sich für dich am Ende richtig anfühlt. Aktuelle Vergleiche kommen häufig zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Unterschiede liegen weniger in den Benchmarks als in den Arbeitsweisen, die Nutzer bevorzugen.

Die erste Überraschung

Was mich bei Claude zuerst überrascht hat, war nicht die Qualität der Texte. Es war die Art, wie es mit meinen Gedanken umgeht. Ich erinnere mich an mehrere Situationen, in denen ich eine Idee ziemlich gut fand und Claude mir erklärte, warum die Argumentation zwar schlüssig klingt, aber auf Annahmen basiert, die ich nie überprüft hatte.

Das war nicht immer angenehm. Aber genau deshalb hilfreich. Während viele KI Modelle versuchen, möglichst gefällig zu wirken, fühlt sich Claude oft eher wie ein kritischer Kollege an. Nicht unhöflich. Nicht besserwisserisch. Aber bereit, Widerspruch zu leisten. Für meine Arbeit ist das enorm wertvoll.

Warum Claude heute mein täglicher Sparringspartner ist

Mittlerweile nutze ich Claude nicht mehr nur zum Schreiben. Eigentlich nutze ich es zum Denken. Wenn ich einen Blogartikel entwickle, diskutiere ich die Struktur mit Claude. Wenn ich eine neue Idee habe, lasse ich die Schwachstellen suchen. Wenn ich ein Konzept ausarbeite, bitte ich darum, die Gegenposition einzunehmen. Wenn ich glaube, eine gute Lösung gefunden zu haben, lasse ich sie angreifen.

Genau dort entsteht für mich der eigentliche Mehrwert. Nicht bei der Antwort sondern bei den Fragen. Claude hilft mir nicht dabei, schneller zu schreiben, Claude hilft mir dabei, besser zu denken.

Der eigentliche Gamechanger: Claude wird zum Arbeitssystem

Der größte Unterschied zwischen meinem heutigen Einsatz von Claude und den ersten Experimenten mit ChatGPT liegt an einer anderen Stelle. Claude ist für mich längst kein Chatfenster mehr, es ist ein System geworden.

Mit Claude Cowork lassen sich heute Arbeitsabläufe aufbauen, die weit über klassische Chats hinausgehen. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, eigene Skills zu entwickeln und wiederkehrende Aufgaben zu standardisieren. Gerade im KI Umfeld, in dem sich Entwicklungen teilweise wöchentlich verändern, ist das enorm hilfreich.

Ich nutze Claude beispielsweise, um neue Themen zu beobachten, Artikelideen zu entwickeln, Trends einzuordnen und Informationen in eine Form zu bringen, mit der ich tatsächlich arbeiten kann. Aus Informationen werden Strukturen, aus Strukturen werden Entscheidungen und aus Entscheidungen werden Inhalte. Genau das macht für mich den Unterschied.

Noch spannender wurde es, als ich begonnen habe, mit Claude Code zu arbeiten. Dadurch hat sich mein Blick auf KI grundlegend verändert. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Texte oder Analysen, sondern um komplette Arbeitsabläufe. Claude kann Outlook einbinden, Kalendereinträge vorbereiten, E Mail Antworten formulieren, Dateien analysieren oder wiederkehrende Prozesse unterstützen. Nicht automatisch und magisch, sondern als Werkzeug innerhalb eines Systems.

Früher habe ich in einzelnen Aufgaben gedacht. Heute denke ich häufiger in Prozessen. Die Frage lautet nicht mehr: „Wie schreibe ich diese E Mail schneller?“ Die spannendere Frage lautet: „Warum erledige ich diesen Schritt überhaupt noch selbst?“

Claude Code hat meinen Blick auf KI verändert

Noch spannender wurde es, als ich begonnen habe, mit Claude Code zu arbeiten. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Texte. Es ging um Systeme. Heute kann Claude mit Outlook kommunizieren, Kalendereinträge vorbereiten, E Mail Antworten formulieren, Dateien analysieren oder wiederkehrende Prozesse unterstützen.

Nicht automatisch und magisch. Aber deutlich weiter, als viele Menschen vermuten. Das hat meinen Blick auf KI verändert. Früher dachte ich in einzelnen Aufgaben. Heute denke ich in Prozessen. Die Frage lautet nicht mehr: „Wie schreibe ich diese E Mail schneller?“ Sondern: „Warum erledige ich diesen Schritt überhaupt noch selbst?“

Jetzt kommt die Kritik

Trotzdem würde ich Claude niemandem blind empfehlen. Claude ist manchmal zu vorsichtig. Es formuliert Einschränkungen, Vorbehalte und Relativierungen, wo eine klare Antwort hilfreicher wäre. Gerade wenn man schnell zu einer Entscheidung kommen möchte, kann das anstrengend sein. Ein zweiter Punkt ist die fehlende Websuche. Wer aktuelle Informationen benötigt, stößt ohne zusätzliche Werkzeuge schnell an Grenzen.

Für Rechercheaufgaben nutze ich deshalb häufig andere Tools. Vor allem Perplexity spielt hier seine Stärken deutlich besser aus. Und dann gibt es noch die vielleicht wichtigste Einschränkung: Claude ist kein Einsteigerwerkzeug. ChatGPT nimmt dich an die Hand. Claude erwartet, dass du weißt, wohin du möchtest.

Wer unscharfe Fragen stellt, bekommt oft auch unscharfe Antworten. Das ist nicht unbedingt eine Schwäche des Systems. Aber es macht den Einstieg anspruchsvoller.

Claude oder ChatGPT?

Diese Frage bekomme ich regelmäßig gestellt. Und ehrlich gesagt halte ich sie für die falsche Frage. Wenn du gerade erst anfängst, ist ChatGPT wahrscheinlich die bessere Wahl. Es ist zugänglicher. Einfacher und vielseitiger. Wenn du bereits weißt, wie du mit KI arbeitest und einen kritischen Sparringspartner suchst, sieht die Sache anders aus.

Dann wird Claude plötzlich sehr interessant. Nicht weil es objektiv besser wäre. Sondern weil es andere Stärken hat.

Warum ich trotzdem keinem Modell blind vertraue

Je länger ich mit KI arbeite, desto vorsichtiger bin ich mit dem Begriff künstliche Intelligenz geworden.

Diese Systeme sind beeindruckend. Aber sie sind nicht intelligent im menschlichen Sinn. Sie haben keine Erfahrung, keine Intuition und keine eigene Meinung. Sie erkennen Muster in Daten und berechnen Wahrscheinlichkeiten auf Grundlage dessen, womit sie trainiert wurden.

Genau deshalb sollte man nicht vergessen, dass alle Modelle auf denselben grundlegenden Mechanismen beruhen. Sie wurden mit gewaltigen Datenmengen trainiert, die Fehler, Widersprüche, Vorurteile und Lücken enthalten. Wer lange genug mit ihnen arbeitet und kritische Fragen stellt, merkt schnell, dass sich früher oder später jedes Modell verheddert.

Das gilt für ChatGPT genauso wie für Claude, Gemini oder Perplexity. Mal passiert es früher, mal später. Aber keines dieser Systeme versteht die Welt so, wie ein Mensch sie versteht. Forschung zu modernen Sprachmodellen zeigt immer wieder, dass sie trotz beeindruckender Leistungen Schwierigkeiten haben, Absichten, Kontext oder komplexe Zusammenhänge wirklich zu erfassen. Sie simulieren Verständnis oft erstaunlich gut, besitzen es aber nicht im menschlichen Sinn.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich in den letzten Monaten gewonnen habe. Der Mehrwert entsteht nicht dadurch, dass man einer KI blind vertraut. Der Mehrwert entsteht dadurch, dass man ihre Stärken kennt und ihre Grenzen versteht.

Mein Fazit

Die meisten Tool Vergleiche im Internet versuchen herauszufinden, welches Modell besser ist. Ich halte das für den falschen Ansatz. Die entscheidende Frage lautet: Welches Werkzeug macht deine Arbeit besser? Für mich ist die Antwort aktuell Claude. Nicht weil es perfekt ist, oder weil es keine Schwächen hat. Sondern weil es etwas tut, das für meine Arbeit entscheidend ist.

ChatGPT begleitet viele Aufgaben meines Alltags. Claude begleitet viele meiner Gedanken. Und genau deshalb ist es das Tool, zu dem ich jeden Tag zurückkehre.

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